GeoEd meets Jugend forscht!

Stärkung der Geo- und Raumwissenschaften in der Projektarbeit an Schulen

Geo- und Raumwissenschaften im Landes- und Bundeswettbewerb stärken

In der gymnasialen Oberstufe werden in den letzten beiden Jahrgängen (meist Jahrgangsstufen 11 und 12, in Berlin in der „5. Prüfungskomponente“ des Abiturs) sog. Seminar- bzw. Projektarbeiten verfasst. In diesen Arbeiten sollen die Schülerinnen und Schüler ein selbst definiertes Thema wissenschaftlich aufbereiten und so die Grundlagen wissenschaftlicher Arbeitsprozesse kennen und einsetzen lernen. Um die Themen zu finden, können die Schülerinnen und Schüler in der Regel aus Seminarkursen wählen, die von den Lehrkräften angeboten werden. Häufig sind diese Seminarkurse von schulischen Schwerpunktthemen oder gar privaten Interessen der Lehrkräfte geprägt. In den letzten Jahren sind Umweltprojekte sowie Projekte zur Nachhaltigkeit durch das Engagement verschiedener Umweltverbände oder Initiativen, wie zum Beispiel der Potsdam Summer School dabei, sich im Angebot zu etablieren. Klassische Geothemen sind dabei in aller Regel aber nicht vertreten.

Auffällig wird dies insbesondere dadurch, dass sich zunehmend die Projekt- und Seminararbeiten aus den Naturwissenschaften im Wettbewerb „Jugend Forscht“ (JF) präsentieren. Hier ist die Anzahl der Beiträge im Segment Geo- und Raumwissenschaften im Vergleich zu anderen Themenfeldern sehr gering. Zudem erscheint die inhaltliche Qualität dieser Arbeiten im Vergleich mit anderen Fachbereichen abzufallen – eine Beobachtung, die auch im Umfeld anderer, ähnlicher Wettbewerbe (zum Beispiel Hans Riegel -Preis) beobachten lässt. Im Hinblick auf eine stärkere Beachtung auch geowissenschaftlicher Themen bzw. eine Sicherung der entsprechenden Qualität präsentierter geowissenschaftlichen Themen besteht aus Sicht der in Geo.X aktiven Geobildungs-affinen Akteure dringender Handlungsbedarf.

Deshalb schlagen wir vor, dass im Rahmen des AK Geoeducation durch Geo.X Lösungsansätze entwickelt werden, um geowissenschaftliche Themen stärker in Seminar- bzw. Facharbeiten der schulischen SEKII zu beachten. Es wird in einem ersten Ansatz vorgeschlagen, eine Fortbildungsreihe für Lehrerinnen und Lehrer aufzulegen. Diese Fortbildungen sollen in Form interaktiver Workshops die in Geo.X definierten Schwerpunktthemen (Naturgefahren, Ressourcen, Lebens- und Gestaltungsräume, Geo-Bio-Interaktion) aufgreifen und sollen den meist eher humangeographisch geprägten Geographie-Lehrkräften, aber auch Pädagogen/-innen anderer Fächer aufzeigen, welche Fragestellungen, Projektideen und Möglichkeiten mit Bezug auf aktuelle Geothemen in möglichen Seminar- bzw. Facharbeiten angeboten werden könnten. In den Workshops sollen konkrete Umsetzungsmöglichkeiten, Recherchemöglichkeiten und Fachhintergründe der Geo.X-Partner präsentiert werden. Auch werden Unterstützungsangebote der Geo.X-Partner vorgestellt (Projekt-Mentoring durch Studierende, Labornutzung für Projektarbeite, etc.) und exemplarische Arbeits- und Zeitpläne vorgestellt. Durch die Einbindung von bereits erfolgreich in JF -engagierten Lehrkräften in die Workshop-Gestaltung können zudem schulspezifische Herausforderungen (z.B. Nutzung außerschulischer Lernorte in der Projektarbeit, und andere) angesprochen werden.

Vorgehen

Am Beispiel einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) werden wir in verschiedenen Regionen Brandenburgs Lehrkräfte der Geographie und der MINT-Fächer zu den Workshops einladen. Zudem werden wir auf dem Jahrestreffen der Schulgeographen einen entsprechenden Workshop anbieten.

Ziel ist es, dass wir stufenweise (erst regional, später auch überregional) über die Themenvielfalt, das Vorgehen im Wettbewerb und das Prozedere von JF informieren. Konkrete Themenvorstellungen aus den Geo.X-Themenschwerpunkten werden dabei mit Hintergrund- und Kontaktinformationen erweitert. Externe Ressourcen wie Schülerlabore und außerschulische Lernorte werden explizit in den Workshops vorgestellt. Entsprechende Themenportfolios werden im Laufe der Initiative entwickelt und für die Nutzung in folgenden Jahren online auf der Plattform geoeducation.de sowie der Webseite des Geo.X-Netzwerkes bereitgestellt.

Neben der thematischen Einführung werden in den Workshops gemeinsam Fragestellungen entwickelt, die die Lehrerinnen und Lehrer den Schülerinnen und Schülern aktiv vorstellen können. Diese Fragestellungen sind den Anforderungen und Erwartungen sowie den Rahmenbedingungen der Seminararbeiten angepasst. Zudem werden von Seiten der Geo.X-Partner Angebote unterbreitet, wie die entwickelten Fragestellungen aktiv durch die Einrichtungen unterstützt werden können. Eine solche Unterstützung kann sein: (1) Mentorenbegleitung der Seminararbeit durch PhD und/oder PostDoc-Studierende, (2) Bereitstellung von Laborzeiten und Geräten inkl. Betreuung/Einführung, (3) gemeinsame Entwicklung von Fragestelllungen mit den Schülerinnen und Schülern sowie mögliche Clusterung.

Die Mentorenbegleitung ist temporär anzusehen und nur im Rahmen der aktiven Forschungsanteile der Schülerinnen und Schüler angesiedelt. Dies ist zum einen notwendig, um die begrenzten Ressourcen der engagierten Studierenden zu berücksichtigen, zum anderen dem Alltags- und Schulrhythmus der Schülerinnen und Schüler geschuldet. Die Mentoren werden in einem ½ tägigen Workshop auf ihre Aufgabe vorbereitet. In diesem Workshop werden insbesondere die Rahmenbedingungen und Anforderungen an Seminararbeiten präzisiert, so dass den Mentoren die Zielstellung der Schülerinnen und Schüler bekannt ist.

Um die Anforderungen und Erwartungen der Zielgruppe der Lehrerinnen und Lehrer effektiv anzusprechen, wird das hier vorgeschlagene Projekt von zwei Master-Arbeiten der Geographie-Didaktik begleitet. Diese sollen untersuchen, welche Hürden und Hemmnissen von Seiten der Zielgruppe in Bezug auf eine intensivere Auseinandersetzung mit Geo-Themen bestehen (z.B. die Sorge vor der thematischen Komplexität, die Befürchtung dem Stoff inhaltlich nicht gewachsen zu sein, etc.). Hierfür sollen die Master-Studierenden Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern der Geographie führen und auswerten. Die Masterarbeiten werden von Prof. Nina Brendel an der Universität Potsdam begleitet.

Vorbild für das hier vorgestellte Projekt ist u.a. ein Workshop, den die JF-Initiatoren des Saarlandes im September 2017 in Saarbrücken für Lehrkräfte in ihrem Bundesland veranstalteten, zu dem Christof Ellger als Vertreter der Geowissenschaften eingeladen war. Derartige Veranstaltungen werden darüber hinaus von der bundesweit operierenden Stiftung „Jugend Forscht“ unterstützt, durch Begleitmaterial und Workshop-Elemente zum Thema „Erfolgreich Projekte in JF präsentieren“.

Ein Netzwerk zu JF-erfahrenen Lehrkräften in Brandenburg ist vorhanden, da Dr. Simon Schneider seit mehreren Jahren als Juror bei „Jugend Forscht“ tätig ist (seit 2018 ist von Seiten des GFZ zudem Dr. Manuela Lange als Jurorin in JF aktiv). Der Zugang zu den Zielgruppen ist durch das LISUM und bereits etablierte Schulkooperationen ebenfalls gegeben (u.a. bereits gemeinsame Workshops zu anderen Themen an der UP)

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